kurier.at – Bauer soll Knecht ausgenutzt haben

Der 47-jährige Knecht Siegi schuftete auf einem Milchbauernhof in Oberkurzheim für einen Hungerlohn.

Wieder ist in der Steiermark ein Verdachtsfall von moderner Sklaverei publik geworden. Seit seinem 16. Lebensjahr schuftete Siegi auf einem Milchbauernhof in
Oberkurzheim. Der geistig leicht zurückgebliebene Mann hatte seit den 1980er- Jahren schwere Arbeiten zu verrichten, angeblich nur gegen Kost, Logis und ein
bisschen Taschengeld. Eine Bekannte des Mannes informierte schließlich die Landarbeiterkammer und holte den 47-jährigen Knecht vom Hof weg. Beim Arbeitsgericht ist jetzt ein Verfahren anhängig, um die finanziellen Ansprüche einzufordern. Vorerst wird auf drei Berufsjahre geklagt, es geht um 65.000 Euro brutto.

Siegfried P. lebt nun in einer Mietwohnung und hat um Frühpension angesucht. Laut Kollektivvertrag verdienen landwirtschaftliche Helfer 1133 Euro brutto pro Monat, 14-mal jährlich. Das bäuerliche Ehepaar bestreitet Ausbeutung energisch. Auch Bürgermeister Christian Czerny hat “persönlich den Eindruck”, der Arbeiter sei wie ein Familienmitglied behandelt worden. Herbert Greiml, der Anwalt der Familie, will anhand eines Haushaltsbuches Lohnzahlungen beweisen, mit 900 Euro netto. “Der Arbeiter war auch bei der Gebietskrankenkasse angemeldet.” Seitens der Landarbeiterkammer Steiermark hat man in den vergangenen Jahren rund 30 solcher Härtefälle gemeldet bekommen, wobei sieben davon gerichtsanhängig sind.

2018-02-14T15:41:03+00:00