kleinezeitung.at  – Bei Anruf Betrug

Einer 86-jährigen Klagenfurterin wurde eineinhalb Jahre lang monatlich Geld abgebucht, weil sie auf ein Telefongewinnspiel hereinfiel. Mittlerweile gibt es tausende Opfer. Die Telefonbetrüger haben immer bessere Tricks auf Lager.

Meine 86-jährige Mutter wurde von einer Gewinnspielfirma angerufen, die ihr das Blaue vom Himmel versprochen hat”, klagt die Klagenfurterin Dolores Locker. Leider fiel die alte Dame auf die Masche des Anrufers herein, und gab ihre Kontonummer bekannt. Danach wurden ihr eineinhalb Jahre lang 60 Euro pro Monat abgebucht.

So lange, bis ihre Tochter die Kontobewegungen bemerkt hat. Mithilfe des Vereins “zur Prävention gegen unerlaubte Werbeanrufe und Telefonbetrug” (VPT) gelang es ihr schließlich, den ungewollten Abbuchungsauftrag zu stornieren. “Einen Teil des Geldes haben wir zurückbekommen. Doch 500 Euro sind noch immer weg”, ärgert sich die Betroffene.

Tendenz steigend

Der Grazer Anwalt Christian Horwath kennt solche Fälle zur Genüge. Laut Experten gibt es mittlerweile zehntausende Opfer in ganz Österreich. Tendenz steigend! Bei der Kärntner Arbeiterkammer haben sich allein im Vorjahr tausende Betroffene gemeldet. Horwath erklärt die Gefahren: “Generell trifft es alle Schichten. Vor allem sind alte Menschen gefährdet. Und Personen, die ihr Konto nicht regelmäßig überprüfen.”

Hinter den diversen Gewinnspielfirmen stecken dubiose Geschäftemacher mit Sitz im Ausland. Oft bieten die Anrufer ein sogenanntes “Gewinnspieleintragungsservice” an. Sie behaupten, dafür zu sorgen, dass ihre “Kunden” – etwa Frau Lockers Mutter – monatlich bei mindestens 200 Gratis-Gewinnspielen registriert werden. Die Mitarbeiter, die anrufen, sind bestens geschult. Und haben nur ein Ziel: die Kontonummer der Betroffenen zu erfahren.

Josefine Traunik, Konsumentenschützerin der Kärntner Arbeiterkammer, warnt eindringlich: “Oft sagen die Anrufer den Menschen, sie hätten bereits einen Gewinn gemacht. Auf die Frage, wohin man das Geld überweisen soll, geben die Leute dann die Kontonummer raus.”

Keine Prüfung

Und schon ist es passiert: Dadurch haben die Täter die Möglichkeit, Gelder vom Konto einzuziehen. “Hier genügt es, wenn man die Kontonummer des Kunden hat”, sagt Anwalt Horwath. Meist teilen die dubiosen Firmen, den Banken schriftlich mit, man hätte vom Kunden die Erlaubnis zum Einzug. Die Banken haben keinen gesetzlichen Auftrag, das nachzuprüfen.

Einziger Lichtblick: Der Kunde kann ohne Angaben von Gründen das Geld rückbuchen lassen. Allerdings nur, sofern er rechtzeitig draufkommt.

Letztens hatte Horwath eine Mandantin, der, auf diese Weise kleinweise und über Jahre, 8000 Euro abgebucht wurden. “Oft kommt man erst dann drauf, wenn die Opfer tot sind”, so der Jurist. Die vielen verschiedenen Gewinnspielfirmen, die es mittlerweile gibt, sind untereinander vernetzt. Horwath berichtet von seinen Erfahrungen: “Die geben sich gegenseitig alle Telefonnummern, Adressen und Kontodaten weiter.”

Falsche Scham

Einer der neuesten Tricks: In einer Zeitung sei ein Inserat, in dem steht: Rufen Sie mich an, ich will mit Ihnen plaudern und darunter eine Wiener Telefonnummer. “Wer diese Nummer wählt, landet allerdings bei einer Sex-Hotline. Selbst, wenn der Betroffene schnell auflegt, wird zurückverfolgt, wer der Anrufer war.” Dem flattere dann eine Rechnung ins Haus. Darin steht, der “Kunde” habe durch seinen Anruf ein Abo mit der Sex-Hotline XY abgeschlossen.

Horwath: “Oft schämen sich die Leute dann so sehr, dass sie wirklich zahlen, nur damit niemand etwas erfährt.”

Manuela Kalser
2018-02-14T16:27:03+00:00