woche.at – Das wahre Leben hinter Gittern

Glücksspiel, Drogen, neue Handys — in der JA Karlau gibt’s alles, was im Knast (eigentlich) verboten ist …

Wer in der Justizanstalt Karlau einsitzt, der hat echt etwas auf dem Kerbholz. Nur Schwerverbrecher kommen hier hinein, Mörder, Vergewaltiger und Betrüger der schlimmsten Sorte. „Doch auch die haben ein Recht auf Menschenwürde“, sagt Rechtsanwalt Herbert Greiml. Er vertritt Peter M. (Name v. der Red. geändert), einen Wirtschaftskriminellen, der seit geraumer Zeit hinter schwedischen Gardinen sitzt. „Zu Recht“, wie er über seinen An-walt ausrichten lässt. „Trotzdem müssen die Bedingungen hier einmal aufgezeigt werden.“
Peter M. muss sich die Zelle in der Karlau mit einem Mörder teilen. Knapp acht Quadratmeter Platz mit einer offenen Toilette, auf denen das Duo fast rund um die Uhr eingesperrt ist. Die Dusche teilen sie sich mit 40 Mitinsassen. Doch das sei noch gar nicht einmal das Schlimmste. „Von zwei Mithäftlingen in der Küche weiß ich, dass sie mit Hepatitis C infiziert sind. Einer davon hatte jüngst auch noch Zungenkrebs und arbeitet in der Suppenabteilung …“, schreibt Peter M.

„Alles ist kaufbar.“

Das tödliche Virus sei im Knast ein großes Problem. Viele Häftlinge sind drogensüchtig und teilen sich ein- und dieselbe Spritze. „Ich weiß zwar nicht, wie die Drogen reinkommen, aber Fakt ist, man bekommt alles, was man will“, berichtet Peter M. Ein weiterer Ansteckungsherd seien die vielen selbst gebastelten „Peckerlrnaschinen“, mit denen sich die Insassen gegenseitig tätowieren. Die Geräte sind zwar verboten, nicht aber die Tattoovorlagen. „Die kann man legal bestellen“, schüttelt Peter M. den Kopf. Genauso wie Pokerjetons, obwohl das Glücksspiel im Knast verboten ist. Nicht erlaubt sind auch Handys — und trotzdem habe fast jeder Häftling eines. „250 Euro zahlt man für ein original verpacktes Videohandy, dazu 50 Euro für die Sim-Karte“, verrät Peter M.

Eine Regel hat der Wirtschaftskriminelle schnell gelernt: Nicht auffallen. Verhaltensauffällige Insassen würden nämlich mit Medikamenten niedergespritzt werden. „Die laufen dann wie die Zombies herum, mit dem Hemd statt der Hose an und umgekehrt.“ Greiml, dem Peter M. all das anvertraut hat, wird nun jeden-falls Beschwerde wegen der Haftbedingungen einlegen. „Einer Empfehlung des Antifolter-Komitees zufolge sollten jedem Häftling sieben Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen. Davon kann mein Mandant nur träumen“, so Greiml. Natürlich haben wir auch die Anstaltsleitung der Karlau mit den Vorwürfen konfrontiert. Dort aber wollte bzw. durfte man nicht Stellung nehmen.

mario.lugger@woche.at

2018-02-19T10:55:44+00:00