woche.at – Glückspielriese vor Gericht

Der Grazer Rechtsanwalt Christian Horwath plant einen Musterprozess gegen die Admiral-Gruppe.

Ein Spieler ist ein guter Schauspieler. Er führt so lange ein Doppelleben, bis es irgendwann nicht mehr weitergeht“, antwortet Arndt Stering auf die Frage, wie es ihm gelungen ist, seine Spielsucht 14 Jahre lang vor seinem ehemaligen Arbeitgeber, den Casinos Austria, zu verstecken. Gezockt hat der Automatentechniker freilich anderswo. Stering war Stammgast bei Admiral und hat dort laut eigenen Angaben mehrere Hunderttausend Euro bei den Spielautomaten verloren. „Ich weiß, dass meine Situation krass klingt. Als Automatentechniker habe ich ja gesehen, wie viele Existenzen da zugrunde gehen, und trotzdem habe ich gespielt. Aber es gibt ja auch genug Wirte, die Alkoholiker sind“, so Stering. Für den Grazer war es eine Teufelsspirale: „Am Schluss kapselte ich mich völlig ab und wollte mich umbringen.“ Dazu ist es Gott sei Dank nicht gekommen, Stering wurde ins LSF eingeliefert und unterzog sich dort einer Therapie. Seitdem ist er „trocken“ …

Doch erledigt hat sich die Sache damit noch lange nicht. Sein Anwalt Christian Horwath fordert jetzt Schadenersatz und plant einen Musterprozess gegen die zur Novomatic gehören-de Admiral-Gruppe. „Wir wollen keinen Vergleich, sondern ein Urteil, auf dem die Schuld des Konzerns schwarz auf weiß geschrieben steht“, so Horwath. Damit hätte man nämlich auch für künftige Prozesse einen Richtwert. In Sterings Fall bestehe der dringende Verdacht auf Verletzung des Glücksspielgesetzes sowie auf Verletzung des Spielerschutzes. Horwath: „Jahre-lang hat sich trotz besseren Wissens niemand daran gestoßen, dass mein Mandant Unsummen verloren hat. Erst jetzt, nach der Klagsdrohung, hat man ihn gesperrt.“ Gefordert wird ein Schadensersatz in der Höhe von rund einer halben Million Euro. „Diese Summe können wir aufgrund von Bankomatbelegen nachweisen“, so der Anwalt. Seitens der Novomatic werden „die Forderungen sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach ausdrücklich und in vollem Umfang bestritten“. Stering selbst hat sich mittlerweile ein neues Leben aufgebaut. Gemeinsam mit einer Frau, die er im LSF kennengelernt hat, hat er den Verein „Die Schwalbe“ ins Leben gerufen, eine Wohn-und Beschäftigungsinitiative für Frauen in Notlage.

Glücksspiel

Die Steiermark verfügt über die größte Dichte an Geldspielautomaten innerhalb Österreichs. Aus diesem und noch vielen weiteren Gründen wird seit Jahren über eine Verschärfung des Glücksspielgesetzes debattiert —bis dato ohne Erfolg. Doch seit Kurzem ist man einer Lösung nahe: SPÖ, KPÖ und Grüne wollen durchsetzen, das künftig nur noch mit Münzen (max. 50 Cent) gespielt werden darf und ein Spiel nicht länger als 20 Sekunden dauern darf, gefolgt von ei-ner Unterbrechung.

mario.lugger@woche.at

2018-02-19T10:08:40+00:00