woche.at – Kleines Glücksspiel – Ein Spielsüchtiger bricht sein Schweigen

Ein Spielsüchtiger bricht gegenüber der WOCHE sein Schweigen über sein jahrelanges Doppelleben.

Seit Jahren schon wird in der Steiermark über eine Einschränkung des kleinen Glücksspiels debattiert, doch passiert ist bis dato nichts. Zwar plant der Bund demnächst eine Gesetzesnovelle, eine Verbesserung des Spielerschutzes soll diese, wie man hört, aber nicht bringen. Für Josef P. kommt die Diskussion jedenfalls zu spät. „309.720 Euro habe ich in den Jahren 2006 bis 2009 verloren“, erklärt der Mann gegenüber WOCHE. Er will anonym bleiben, denn niemand in seinem Umfeld weiß etwas von seiner Spielsucht. „Ich habe jahrelang ein Doppelleben geführt und geniere mich da-für.“

Wie er auf diesen genauen Betrag kommt? „Ich habe Buch geführt.“ Unterlagen, die uns Josef P. vorgelegt hat, 27 Seiten mit jeweils 36 Kontobewegungen, versehen mit Uhrzeit, Datum und jenen Orten, an denen er das Geld verspielt hat. Geld, das der Pensionist nun mithilfe seines Anwalts Christian Horwath zurückfordert. „Ich habe von einem Spieler noch nie so detaillierte Aufzeichnungen bekommen“, rechnet sich Horwath gute Chancen aus. Und auch politisch ist der Fall brisant. Ernst Kaltenegger (KPÖ) nimmt ihn zum Anlass, dem Unterausschuss im Landtag, der sich in all diesen Jahren mit dem kleinen Glücksspiel (tatenlos) auseinandergesetzt hat, eine „Mitschuld“ vorzuwerfen. Ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs wird geprüft.

2018-02-19T10:32:38+00:00