kleinezeitung.at – Steuerfahnder fuhren beim „Gumpi“ auf

Wirbel auf Dölsacher Hof. Besitzer Hans Gumpitsch geriet nach anonymer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien ins Visier der Steuerfahndung.

Auf dem Stadtlerhof in Dölsach ging es, wie erst jetzt bekannt wurde, am 6. Oktober drunter und drüber. Bauern aus allen Tälern waren an diesem Tag mit Traktoren aufgefahren. Sie holten Siloballen ab, die zum Kauf angeboten waren. Mitten in das Treiben platzten Ermittler – nicht solche von der Kontrolle illegaler Arbeitnehmerbeschäftigung (KIAB) -, sondern der Steuerfahndung. Hofbesitzer Hans Gumpitsch, der im Bezirk den Kurznamen “Gumpi” trägt, Gewerbetreibender, Obmann des Maschinenringes Osttirol und Gemeinderat ist, musste den Fahndern die Hoftüren öffnen. Sie hatten Anordnung zur Hausdurchsuchung.

Josef Koch, der Teamleiter der Steuerfahndung Tirol, hüllt sich dazu in Schweigen. Auslöser für den Aufmarsch der Fahnder dürfte eine anonyme Anzeige wegen Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und schwerem gewerbsmäßigen Betrug gewesen sein. “Die Anzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft Wien gemacht. Die Fahnder wollten bei mir wohl Millionen finden”, sagt der Dölsacher, der den Besuch der Ermittler bestätigt. Informationen, wonach Traktoren und die Buchhaltung zur Klärung von Steuerschuld beschlagnahmt worden seien, dementiert er: “Meine Traktoren sind noch da.”

“Hinterhältiges Spiel”

Die Buchhaltung befinde sich beim Finanzamt Lienz. Von dort werde jetzt eine Betriebsprüfung gemacht. Gumpitsch sieht sich als Opfer eines hinterhältigen Spieles mit einem “üblen Mitspieler”, den er in seinem Umfeld vermutet. “15 Jahre lang hat man mir jährlich einen Konkurs oder einen Ausgleich nachgesagt. Weil das nicht stimmt und daher auch nicht gefruchtet hat, will mich jemand jetzt mit anderen Mitteln erledigen.” Gumpitsch hat über Rechtsanwalt Christian Horwath bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck Anzeige wegen Verleumdung gegen Unbekannt eingebracht.

Horwath informiert, dass die anonyme Anzeige als Absender “Maschinenring Kärntner Oberland” vermerkt hatte. Jedoch fehle eine Unterschrift und dem Maschinenring sei unbekannt, wer die Anzeige verfasst haben soll. Horwath: “Wir erheben auch Beschwerde gegen die Hausdurchsuchung, da weder Beweise, noch Verdachtsmomente einer Abgabenhinterziehung gegen Gumpitsch bestehen.”

Lanze für die Kontrollorgane

Der Tiroler ÖGB-Vorsitzende Otto Leist fordert mehr Unterstützung der KIAB-Mitarbeiter (Kontrolle illegaler Arbeitnehmerbeschäftigung) im Kampf gegen Schwarzarbeit. Leist führt an, dass es in Tirol nach wie vor mehr Disziplinaranzeigen gegen Beschäftigte der KIAB als Sozialbetrugsverfahren gebe. “Das ist weder verständlich noch akzeptabel, sondern fördert den Sozialbetrug, der zulasten aller fleißigen Arbeitnehmer und Wirtschaftstreibenden geht”, sagt Leist. Er verurteilt die mangelnde Rückendeckung der KIAB-Mitarbeiter seitens der Politik. “Kapazitäten und Rahmenbedingungen für die Beschäftigten der KIAB müssen ausgebaut und verbessert werden. Wenn dies nicht getan wird, kann dies für uns alle fatale Folgen haben. Schwarzbeschäftigung und Schwarzarbeit werden somit weiter gefördert.” Der jährlich Schaden für die Tiroler Wirtschaft gehe durch “Pfusch” in die Millionen. Zur politischen Rückendeckung der KIAB gehöre die Unterbindung des Disziplinarverfahrenswahns.

2018-02-14T14:45:15+00:00