“Zahnklinik” im Schloss Mühldorf

FELDKIRCHEN/DONAU. Neben dem Hotel Schloss Mühldorf in Feldkirchen an der Donau entstehen derzeit ein Zahnlabor und eine Praxis für mehrere Zahnärzte. Die Zahnärztekammer hat wegen unlauteren Wettbewerbs und Verstoßes gegen Werbe-Richtlinien geklagt.

Neben dem Hotel Schloss Mühldorf in Feldkirchen an der Donau entstehen derzeit ein Zahnlabor und eine Praxis für mehrere Zahnärzte. Die Eröffnung ist für Mitte/Ende Februar geplant. Das Labor wird Marcus Lauch betreiben, so wie er das bereits auf der spanischen Insel Teneriffa macht. Die Praxis sollen Zahnärzte führen, die noch nicht bekanntgegeben werden. Lauch ist der Schwager von Johannes Würmer, dem Chef des Hotels nebenan.

Sie kündigen eine “mögliche Revolution für die Zahnmedizin” an: Lauch habe eine Technik entwickelt, mit der Zahnärzte festsitzenden Zahnersatz sofort und ohne Provisorien implantieren könnten. Die Qualität sei hoch, die Preise seien niedriger als bei herkömmlichen Implantaten. Nebenbei hofft das Hotel auf Zusatzgeschäft, wenn Patienten Zimmer reservieren.

Würmer ist aber im Visier der Zahnärztekammer. Diese hat das Hotel wegen unlauteren Wettbewerbs und Verstoßes gegen Werbe-Richtlinien geklagt. Streitwert: 34.000 Euro. Eine einstweilige Verfügung, die Print- und Internetwerbung sofort verboten hätte, wurde vom Landesgericht Linz abgelehnt. Das Hauptverfahren läuft.

Für zahnärztliche Leistungen darf in Österreich nur sehr eingeschränkt geworben werden. Im November hatte das Hotel bei einer Werbung für den Weihnachtsmarkt im Schloss auch dem baldigen Start der Zahnbehandlung einige Zeilen Platz gegeben. Beim Markt wurde die Technik dann vorgestellt. Die Kammer sieht sittenwidriges Verhalten und einen Verstoß gegen Standesvorschriften.

Der Grazer Anwalt Christian Horwath vertritt das Hotel. Dieses habe primär für seinen Betrieb geworben und “in absolut untergeordnetem Maße” für die Zahnbehandlung, sagt Horwath: “Außerdem ging es nur um eine Information über Zahntechnik, für die die Werbebeschränkung nicht gilt.”

Würmer sagt, er habe sich bei der Kammer in Oberösterreich informiert und ihre Ratschläge befolgt. Kammer-Juristin Petra Eigruber dazu: “Wir haben allgemeine Dinge besprochen, was die Errichtung einer Praxis betrifft.” Und sie habe darauf hingewiesen, dass er bei der Werbung aufpassen müsse, weil die Richtlinien kompliziert seien.

Landeskammer-Präsident Wolfgang Doneus kritisiert, dass für eine Zahnarztpraxis, die es nicht gebe, Werbung gemacht worden und Beratung erfolgt sei. Mit letzterem meint er die Info-Veranstaltung beim Weihnachtsmarkt. Man habe nichts gegen die Pläne an sich, sagt Doneus: “Aber wenn die Regeln nicht eingehalten werden, müssen wir dagegen vorgehen. Das sind wir den Patienten schuldig.” Im Fortbildungsprogramm für Zahnärzte komme Lauchs Technik nicht vor, sagt Doneus.

Würmer erklärt, dass es um die Patienten gehe und nicht um den “eigenen Geldbeutel”. Man wolle kooperieren. Pro Jahr würden mehr als 160.000 Österreicher für leistbaren Zahnersatz ins Ausland fahren. “Wir könnten sie in Österreich halten, wenn die neue Technik von vielen Zahnärzten eingesetzt würde.” Würmer betont auch, dass das Labor und die Praxis so wie das Hotel eigenständige Firmen seien. Es handle sich in Feldkirchen also um keine Zahnklinik.

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2018-04-05T11:40:11+00:00