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Wenn die Jagd nach Glück zur Sucht wird

In Tirol liegt die Zahl der Spielsüchtigen laut einer Studie bei 4,2 Prozent, und damit an der oberen Grenze. Denn österreichweit gibt es zwischen 2,7 und 4,2 Prozent Betroffene. Nicht alle suchen sich dabei professionelle Hilfe.

Rund 20 Personen jährlich wenden sich aufgrund ihrer Spielsucht an professionelle Beratung, so Christoph Hannemann, Suchtberater beim Verein BIN, der Beratungsstelle für Abhängigkeitserkrankte in Innsbruck. Ursachen für Spielsucht sind wie bei vielen Suchterkrankungen oft Probleme in der Konfliktbewältigung oder traumatisierende Erlebnisse. Auch das soziale Umfeld kann eine Rolle spielen. Die Süchte der Österreicher sind diese Woche Schwerpunkt der Bewusst gesund Initiative in allen ORF Programmen.

Die Suche nach dem Kick

Für Betroffene beginnt die Spielsucht mit dem Reiz, schnell etwas zu gewinnen. Und das funktioniert am Beginn der Spielerkarriere auch schneller. Laut Suchtberater Christoph Hannemann gibt es sogar Statistiken, die beweisen, dass Spieler am Anfang einen höheren Gewinn haben. Das animiere dazu, weiterzuspielen. Allerdings mit der Erfahrung, dass viele Spieler dann ihren Einsatz verlieren. Man spricht vom „Chasing-Verhalten“ – das heißt, es wird weiter gespielt, um Verluste wettzumachen. Die Sucht bringt naturgemäß finanzielle Probleme und geht so weit, dass Süchtige um zu spielen einen Kredit aufnehmen, Freunde belehnen oder häufig sogar Haus und Hof verspielen, also ihre gesamte Existenz.

Sendungshinweis:

„Tirol heute“, ORF 2, 19.00 Uhr

Spielsucht im Wandel der Zeit

Früher spielten die meisten Personen im Casino um ihr Glück. Heute sind es mehr Betroffene, die in Wettbüros ihr Geld verspielen. Wettbüros fallen allerdings nicht unter das Glücksspielgesetz; das heißt, dass Personen, die potenziell süchtig sind, zwar bei Casinos, nicht aber in Wettbüros zu ihrem Schutz gesperrt werden.

Glücksspielgesetz sei „Husch-Pfusch“

Dieses Gesetz biete beispielweise nicht ausreichend Möglichkeit gegen illegale Glücksspielbetreiber vorzugehen. Das kritisiert der gebürtige Osttiroler Rechtsanwalt Christian Horwath. In Tirol ist das sogenannte „kleine Glücksspiel“, also Automaten mit 50 Cent Einsatz pro Spiel, verboten. Die Automaten gibt es aber trotzdem. „Solche Automaten werden dann zwar von den Behörden beschlagnahmt, der Betreiber sagt dann aber, es handle sich lediglich um ein Internetterminal, keinen Glücksspielautomaten. Er zahlt vielleicht eine Geldstrafe, aber das war es dann auch schon“, ärgert sich Rechtsanwalt Horwath, der seit Jahren Spielsüchtige vor Gericht vertritt.

Spielsüchtige können klagen

Rechtsanwalt Christian Horwath hat schon Prozesse gegen Glücksspielbetreiber im Auftrag von Spielsüchtigen gewonnen. Spielsüchtige sind nämlich partiell geschäftsunfähig, das heißt, sie dürften an keinen Glücksspielen teilnehmen. Gehen sie aber dennoch in Casinos oder verspielen an Automaten ihr Geld, kann es passieren, dass im Falle einer Klage die Betreiber Geld zurückzahlen müssen. Spielsucht muss natürlich von einem Gutachter attestiert werden. Außerdem muss der Spielsüchtige Belege über verspieltes Geld nachweisen können.

Spielsüchtige können ihre Sucht oft jahrelang vor Familie und Freunden geheim halten, bis sie ihre ganze Existenz verspielt haben und somit ihr Doppelleben zusammenbricht.

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